Berufsbildungswerk Leipzig gGmbH Förderschwerpunkt Hören, Sprache, Lernen Knautnaundorfer Straße 4 04249 Leipzig Deutschland Tel. (0341) 41 37-0

Kompers

Die Gebärdensprache führt immer noch ein Nischendasein. Mit dem Programm KomPerS und der Unterstützung von Dozentin Katja Fischer möchte das BBW gehörlosen Jugendlichen Selbstbewusstsein vermitteln und sie zugleich auf die Arbeitswelt der Hörenden vorbereiten.

Katja Fischer ist aus Berlin angereist, um mit hörgeschädigten Jugendlichen am BBW einen Workshop durchzuführen. Genau genommen ist es mehr eine Art Motivationsveranstaltung. Denn Shan Ali, Daria, Kevin, Michelle, Patrick und Jennifer, die die Sozialpädagogin vor sich hat, haben sich zwar durch Learning by Doing Gebärdensprache angeeignet – doch auf die Arbeitswelt der Hörenden, in der sie sich zukünftig bewegen müssen, sind sie nicht vorbereitet. Sie ahnen nichts von den Hürden, die „draußen“ auf sie warten.

Man muss wissen: Gehörlose können Gefahr laufen,in einer eigenen Welt zu leben. Zumindest einer Welt mit eigenen Kommunikationsregeln. Das mag im Verbund mit vielen Gehörlosen funktionieren, in der Welt außerhalb des BBW jedoch nicht. Zwar ist Gebärdensprache eine offizielle Amtssprache, dennoch gibt es in ganz Deutschland so gut wie keine Lehrangebote in oder für Gebärdensprache. Lippenlesen ist Usus, Gebärdensprache ein Exot. Die Folge: Kommunikationsbarrieren.

„Ich setze mich im Rahmen des Programms Kom-PerS am BBW dafür ein, dass gehörlose Schüler lernen, welche Fähigkeiten, Mechanismen und Prozesse von ihnen in der Welt der Hörenden verlangt werden“, sagt Katja Fischer. „Das geht von einer Diskussionskompetenz bis zur Anfertigung eines Referats. Denn wer das nicht kann, der wird es schwerer haben.“

Die Säulen, die KomPerS vermittelt, lauten dabei Kommunikation, Persönlichkeitstraining und Spezialwissen. „Ich erkläre den Teilnehmern, wie sich die Jugendlichen in der hörenden Arbeitswelt zurechtfinden können; mache ihnen bewusst, dass Gebärdensprache ein wichtiges Sprachsystem ist, das sie auch im Alltag einsetzen und einfordern sollen; und ich gebe Wissen weiter, wie sie beide Welten verbinden.“

Das geht von der Vermittlung über Rechte von Gehörlosen, über Präsentations- und Diskussionsspiele bis hin zu Debattierübungen zu aktuellen Themen wie der Flüchtlingsproblematik. „Es kommt einiges auf die Jugendlichen zu – und darauf muss man sie gezielt vorbereiten.“ Katja Fischer spricht übrigens aus eigener Erfahrung. Sie ist ebenfalls gehörlos und damit besonders glaubwürdig. „Als ich in der hörenden Arbeitswelt begann, wurde ich ins kalte, unkommunikative Wasser geworfen“, erinnert sie sich noch heute. „Ich wurde gemobbt, weil ich nichts verstanden habe und mich nicht verständigen konnte. Also habe ich mich dort herausgekämpft. Diese Erfahrung vermittle ich nun weiter.“