04.03.2021

Lebendige Geschichte erfahren

Der polnisch-deutsche Jugendaustausch „Fahrt in die Vergangenheit – Wege in die Zukunft“ ist fester Bestandteil des BBW-Bildungskurrikulums.

Das Berufsbildungswerk Leipzig bildet Fachkräfte für den ersten Arbeitsmarkt aus. Doch Bildung lässt sich nicht auf Fachwissen reduzieren. Damit die jungen Menschen ihren Weg im Leben finden können, braucht es gesellschaftliche Werte, die sie stärken und begleiten.

In Zeiten von wachsendem Nationalismus ist es nötiger denn je, an die verheerenden Taten des Nationalsozialismus zu erinnern und Jugendliche diesbezüglich aufzuklären. Ebenso wichtig ist es, dass sich Menschen aus zwei Ländern mit einer wechselvollen Geschichte begegnen. 50 Personen nehmen sich jeweils zehn Tage Zeit, beginnen gemeinsam in Leipzig, folgen hier den Spuren der fast ausgelöschten jüdischen Tradition, besuchen die Synagoge, erfahren von politisch Verfolgten, von Menschen, die in Lagern verschwanden, weil sie eine Behinderung hatten, oder einfach, weil sie Menschen des gleichen Geschlechts liebten. Die gemeinsame Fahrt führt nach Polen, über Gliwice (Gleiwitz) nach Auschwitz. Dort folgen intensive, herausfordernde Tage an Orten unfassbarer Barbarei. Gemeinsam sind alle sprach- und fassungslos, wütend und enttäuscht, traurig und tief bewegt.  

“Der deutsch-polnische Austausch ist eine sehr wichtige Initiative. Sie bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich zu integrieren, zu unterstützen und gegenseitig kennenzulernen. Dadurch werden die herrschenden Klischees abgebaut, andere Kulturen werden bekannt, Erfahrungen werden getauscht. Solche Kontakte beeinflussen auch die Motivation, andere Sprachen, wie z.B. die Gebärdensprache, zu lernen. Alle Schüler werden mit den Sitten, der Geschichte, der Kultur und dem Alltag im Partnerstaat vertraut.” 
Patrycja Nosowicz, Pädagogische Mitarbeiterin der polnischen Partnerschule

In der Konfrontation mit diesem dunkelsten Kapitel deutsch-polnischer Geschichte entdecken die Teilnehmenden, dass sie diese Welt nicht so wollen, wie sie aussieht, und dass sie etwas dafür und dagegen tun können. Sie fangen bei sich selber an und bemerken: „Meine Vorurteile stimmen nicht. Deutsche sind keine Nazis mehr. Polen sind nicht die, die unsere Autos klauen.“ Sie entdecken, dass man sich nah ist, über alle nationalen Grenzen hinweg. Sie stellen fest, dass sie miteinander kommunizieren können. Mit Händen und Füßen, mit englischen Brocken, mit Handys und vor allem mit Gebärdensprache(n).

“Diese Fahrt ist wichtig, um von der Geschichte zu erfahren, von dem Schicksal der Menschen damals. Es ist auch gut, ein fremdes Land kennenzulernen, neue Freunde zu finden, und etwas von unserer Stadt zeigen zu können. Auf der Fahrt lernen wir uns besser kennen und können verstehen, warum das Verhältnis von Deutschen und Polen manchmal schwierig ist. Aber wir sehen auch, wie man dies überwinden kann." 
Pascal Krohm und John Perkuhn, Auszubildende des BBW Leipzig

Eine solche Fahrt ist anstrengend und kostenintensiv. Sie geht an die Grenzen der psychischen Zumutbarkeit für die Teilnehmenden und Mitarbeitenden, die teilweise seit vielen Jahren den Austausch begleiten. Und doch: Wenn im Ergebnis dieses Austauschs Grundsteine für Freundschaften gelegt werden, dann zeigt sich jedes Jahr aufs Neue, dass alle Anstrengung der Mühe wert ist und jeder Euro nicht besser investiert sein könnte.

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Ronny Valdorf

Dr. Ronny Valdorf

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