24.06.2022

Parlamentarischer Abend 2022

BAG BBW fordert: Digitalpakt für die beruflichen Reha - jetzt!

In der Corona-Pandemie haben die 51 Berufsbildungswerke in Deutschland gezeigt, dass sie verlässliche Partner im dualen Ausbildungssystem sind. Gleichzeitig sind die Herausforderungen für Berufsbildungswerke mit Blick auf die digitale Transformation der Ausbildungs- und Arbeitswelt einmal mehr deutlich geworden. Die BAG BBW hat bei ihrem Parlamentarischen Abend am 22. Juni deutlich gemacht, wie wichtig Investitionen in die berufliche Rehabilitation von jungen Menschen mit Behinderung sind, damit digitale Teilhabe für alle Auszubildenden in BBW Wirklichkeit wird.

„Digitalpakt für die berufliche Reha – jetzt“ – so lautete das Motto des Parlamentarischen Abends. Bundestagsabgeordnete und Verbandsvertreter*innen waren in die SAP DATA Space in Berlin Mitte gekommen, um sich über die Forderungen der BAG BBW zu informieren und dazu auszutauschen.

Moderiert wurde die Veranstaltung von ARD Hauptstadtkorrespondentin Kerstin Palzer, die gemeinsam mit Tobias Schmidt, Vorstandsvorsitzender der BAG BBW, die Gäste begrüßte. Schmidt machte in seiner Begrüßung deutlich, dass die Politik in die Zukunft investieren muss: "Wir brauchen moderne und innovative Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen mit Behinderung in Berufsbildungswerken. Das gibt es nicht zum Nulltarif."

"Nur mit Investitionen in die digitale Transformation in der beruflichen Reha können wir alle Neuerungen, die wir durch Corona beschleunigt angestoßen haben, nachhaltig und konzeptionell bzw. pädagogisch klug fortsetzen." 

Tobias Schmidt, Vorstandsvorsitzender der BAG BBW

Gastredner Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, stellte die geplanten Gesetzes- und Reformvorhaben in der aktuellen Legislaturperiode im Bereich der Behindertenpolitik vor. Lobende Worte fand er auch für die Arbeit der Berufsbildungswerke. 

„Wir haben bei unseren Besuchen vor Ort eindrucksvoll gesehen, wie die Einrichtungen der beruflichen Reha in der Corona-Pandemie in kürzester Zeit auf digital umgestellt und eigene Lösungen gesucht haben. Das ist eine großartige Leistung“.

Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Beim Punkt Digitalisierung gab er dem von der BAG BBW geforderten Sonderprogramm zwar eine Absage, stellte jedoch einen Aufschlag bei der Regelfinanzierung in Aussicht.

Tanja Ergin, Geschäftsführerin der BAG BBW, entgegnete lächelnd auf diesen Vorschlag: „Wenn die digitale Transformation in den Berufsbildungswerken über eine höhere Regelfinanzierung angeschoben wird, ist uns das auch recht.“

Wie innovative Wege in der beruflichen Rehabilitation aussehen können, machte Ergin im Anschluss deutlich. Sie berichtete über die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt KI.ASSIST, dessen Ziel es war, die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu fördern. Als Projektpartner hatte die BAG BBW hier in 3 Berufsbildungswerken KI-basierte Technologien erprobt. Hakan Atmaca und Ahmed El-Ali, beide in der Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement, und Christine Gerhardt, Teamkoordinatorin und Ausbilderin im Fachbereich Kaufmännische Ausbildung / Wirtschaft und Verwaltung aus dem Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin schilderten praxisnah, wie die Lern-App „AirCrumb“ im Ausbildungsalltag unterstützt. Die App hilft den Teilnehmenden mit einer psychischen Erkrankung u.a. dabei, ihren Alltag besser zu strukturieren, einen Über­blick über die täglich anstehenden Aufgaben zu bekommen sowie die tägliche Motivation aufrecht zu erhalten und trägt so zur psychischen Stabilisierung der Teilnehmenden bei.

Tanja Ergin informierte abschließend, dass die Verbundpartner im Projekt KI.ASSIST an dem wichtigen Ziel weiterarbeiten werden, mehr Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen durch KI-gestützte Assistenzsysteme zu fördern. Dafür planen die Partner unter der Leitung des DFKI das Projekt „KI-KOMPASS Inklusiv“, ein Kompetenzzentrum für KI-gestützte Assistenztechnologien und Inklusion im Arbeitsleben.

Samuel Breisacher, Mitglied im Vorstand der BAG BBW, stellte das neue Projekt „EdAL 4.0 – Mixed Reality in der beruflichen Reha“ vor. „Zum Einsatz kommen hierbei Mixed-Reality-Brillen, die eine virtuelle Ausbildungsumgebung simulieren und die Teilnehmenden mit Szenarien aus der Praxis konfrontieren. Virtual Reality setzen wir somit zur Optimierung der Ausbildung, aber auch der Arbeitsabläufe ein.“

Dirk Palige, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), zeigte sich in seinem Schlusswort beeindruckt von den Innovationen und Modellprojekten, die die BAG BBW realisiert. „Auch für das Handwerk ist die Digitalisierung eine der größten bildungspolitischen Herausforderungen unserer Zeit.  Diesen Herausforderungen können und müssen wir mit einem ganzheitlichen Ansatz begegnen, der die drei zentralen Faktoren Hardware, Software und Bildungspersonal in den Blick nimmt“.

Zum Abschluss betonte Samuel Breisacher noch einmal wie wichtig für Berufsbildungswerke die digitale Transformation ist. „Dazu gehören nicht nur moderne Endgeräte und ein schnelles Internet. Unverzichtbar ist die Kompetenzförderung des Lehrpersonals und der Jugendlichen selbst. Das alles kostet Geld."

Quelle: BAG BBW

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Für die Fotos in der Bildergalerie: © BAG BBW | Peter Himsel (Fotograf)

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Christine Heuer

Christine Heuer

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v.l.: Tobias Schmidt, Tanja Ergin und Dr. Rolf Schmachtenberg
v.l.: Tanja Ergin (Geschäftsführerin der BAG BBW), Tobias Schmidt (Vorsitzender des Vorstands der BAG BBW), Moderatorin Kerstin Palzer und Dr. Rolf Schmachtenberg (Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales)
Tobias Schmidt, Vorsitzender des Vorstands der BAG BBW
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